Friday, 8 June 2007

Sprechen Sie konservativ?


Endlich, der G8 Gipfel ist vorbei, bei rausgekommen ist nicht viel, aber immerhin mehr als man erwartete. Die ganze Schar der Berufsstudenten, Öko-Faschisten und der Rest der Teletubbies zieht ab aus der Mecklenburger Bucht und fährt wieder Heim ins linke La-La Land (wahrscheinlich Berlin, der Ruhrpott, das Saarland und Freiburg). Zeit für uns, um über das Geschehene zu reflektieren. Während den vergangenen Tagen ist mir eines wirklich klar geworden: Linke haben eindeutig die Interpretationshoheit.

In Deutschland geht es vollkommen in Ordnung, wenn tausende von Menschen gegen die Ausbeutung afrikanischer Bauern protestieren und dabei gleichzeitig Felder hiesiger Landwirte niedertrampeln und ihre Wiesen besetzen, um sie als Campingplätze zu nutzen. Es geht in Ordnung, wenn genau diese Leute gegen den Klimawandel und für den Umweltschutz demonstrieren, selbst aber ihre ganzen Abfälle auf Bauer Upleggers Feldern hinterlassen. Es geht in Ordnung gegen den diktatorischen Stil Vladimir Putins zu protestieren und dabei die Fahne Venezuelas zu schwenken. Hugo Chavez hat ja nicht vor kurzem erst beschlossen, dem privaten Fernsehsender und oppositionellen Sprachrohr RCTV die Lizenz nicht mehr zu verlängern. Er hat auch nicht vor die verstaatlichung privater Unternehmen zu forcieren - man könnte es auch Enteigung nennen.

Beinahe würden wahrscheinlich auch die 2.000 Randalierer vom Schwarzen Block, die ganze rostocker Straßenzüge verwüstet haben, in Ordnung gehen, doch dafür waren zuviele internationale Kamerateams vor Ort. Und zu allem Übel zeigt sich uns' Claudia Roth wieder einmal empört. Diesmal darüber, dass 100 Spinner von der NPD durchs Brandenburger Tor marschiert sind. Riesen Skandal - und eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Wenn ich mir die Gestalten so anschau wird mir auch ganz Angst und Bang. Nein, also wirklich. So gefährlich die nationalsozialistische Idee auch ist, wir müssen uns doch der Dimensionen wieder bewusst werden. Es kann doch nicht sein, dass 100 Nazis ein aufsehen erregen wie 2.000 randalierende Linksextreme.

Tatsache ist, dass unsere Toleranzgrenze sich immer weiter nach links verschiebt und man im selben Atemzug politische Gegner mundtot macht, indem man sie in die rechte Ecke stellt. Nichts im öffentlichen Leben ist so effektiv jemanden politisch auszuschalten, wie ihn als "Rechten" Abzustempeln. Berthold Kohler von der FAZ nannte das "die politische Todeszone". Recht hat er damit. Als ganz verwegener Gedanke scheint es, dass eine demokratische Parteienlandschaft nicht nur ein linkes Teilspektrum, sondern auch die rechten Hälfte davon besitzen könnte. Allzu oft wird das Attribut "rechts" gleichgestellt mit "rechtsextrem". Ralph Giordano (84) ist dass passiert als er sich gegen den Moscheebau in Köln ausgesprochen hat. Giordano ein Rechtsextremer? Das klappt nicht so ganz. Stattdessen hieß es, er "habe den Rechten damit in die Hände gespielt". Das lässt sich nur bejahen. Aber ist es denn schlimm "rechts" zu sein? Ganz nebenbei, liest man sich die Parteiprogramme der Republikaner und der NPD durch, stellt man starke sozialistische Züge in ihnen fest.

Traditionell würde ich mich als rechts einstufen, als konservativ. Doch wenn ich meine politischen Standpunkte mit denen der Linken vergleiche, habe ich oft dass Gefühl sie seien die Konservativen und ich bin progressiv. Das führt mich zu dem Punkt mal ernsthaft darüber nachzudenken, was "konservativ sein" eigentlich bedeutet... im 21. Jahrhundert. Viele meiner Zeitgenossen sind der Meinung, dass ein moderner Konservativer ein Neokon sei. Diese Annahme dürfte ich mit meinem Artikel "Von den Neokonservativen" jedoch widerlegt haben. Nein, ein Konservativer im Jahr 2007 ist wahrlich kein reformierter Sozialist. Er ist ein reformierter Konservativer, ein konservatives Update - vielleicht ein Konservativer 2.0? Lassen wir das.

Ich bin konservativ, weil ich für Werte einstehe, die sich in der Vergangenheit als existenziell für unser Fortbestehen erwiesen haben. Werte wie starke Familien (Mann + Frau + Kinder), ein fester Glaube an Gott, die freie Marktwirtschaft, eine starke Landesverteidigung (Polizei und Militär), Ehrlichkeit, Fleiß, soziales Engagement, Patriotismus und eine gemeinsame Kultur, denn sie ist der Kitt der ein Land zusammenhält. Und ich bin ebenfalls konservativ, weil ich der Meinung bin, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild schuf und daher alle Menschen gleich sind. Ich bin konservativ, weil ich sehe, dass wir es in unserem blinden Konsumwahn zu weit getrieben haben und unsere Umwelt erheblich darunter leidet. Ich bin aber auch konservativ, weil ich an die konstruktive Zerstörung glaube. Daran, dass uns technologischer Fortschritt Lösungen für unsere schwierigsten Probleme ermöglicht. Ich bin konservativ, weil ich die Freiheit bewahren will, weil ich sehe, dass die liberale Gesellschaft sich selbst ihr eigener Henker ist in einer globalisierten Welt. Wer Toleranz als Selbstzweck ansieht, darf sich nicht wundern, wenn diese durch die tolerierten Feinde der Toleranz der Knechtschaft geopfert wird. Jahrhunderte lang haben Menschen in Europa für Freiheit gekämpft, haben ihr Blut für die Freiheit vergossen. Ich bin konservativ, weil ich den Gefallenen damit "Danke" sagen will.

"Die Freiheit ist niemals mehr als eine Generation von ihrem Untergang entfernt. Wir gaben sie nicht im Blutstrom an unsere Kinder weiter. Sie muss erkämpft, beschützt und an unsere Kinder weitergereicht werden, damit diese das gleiche tun." (Ronald Reagan)

Ich glaube an den Vorrang der Freiheit vor der staatlichen Bevormundung. Das bedeutet, wie Jörg Schönbohm einmal sagte:

"Rückführung der allumfassenden staatlichen Fürsorge auf ein Maß, das es dem Bürger ermöglicht, zunächst für sein eigenes Leben verantwortlich zu sein. Erst der Mut zur Freiheit zeichnet einen mündigen Bürger aus."

Nicolas Sarkozy ist rechts. Nicolas Sarkozy ist ein Konservativer. Sämtliche Aussagen von ihm lassen keinen Zweifel bestehen, dass er Frankreich radikal ändern wird, es endlich aus seiner sozialistischen Lagerfeuerromantik befreien und in eine strahlende Zukunft führen wird. Die CDU hat zumindest einen rechten Flügel. Diesem wird es wahrscheinlich zu verdanken sein, dass im neuen Grundsatzprogramm eine Aussage wie "bewahren, was unser Land voranbringt, und verändern, was unser Land belastet" zu finden ist.

Das war auch schon das Konzept Margaret Thatchers, Ronald Reagans und des ehemaligen spanischen Presidente del Gobierno José María Aznar. Der Konservative des Globalisierungszeitalters ist Bewahrer des Guten und Modernisierer des Mäßigen. Die 68er haben damals in ihrer frischen Bewegung gegen das Establishment und für das Individuum gekämpft. Und was wurde daraus? Westlicher Selbsthass, sozialistische Gleichmacherei und identitätslose Multikultur. Die Sueddeutsche schrieb nach der Wahl Sarkozys:

"Es sind die Konservativen, die inzwischen das Gesetz der Entwicklungsdynamik bestimmen, indem sie auf ihre Weise Ernst machen mit der Freiheit des arbeitenden oder unternehmerischen Individuums und mit der Freiheit des Marktes. Und es sind ebenfalls die Konservativen, die es erreicht haben, den vermeintlich abgelebten "Ladenhütern" Religion, Familie und Patriotismus eine unerhöhrte ideologische Renaissance zu verschaffen."

Die Sueddeutsche vergleicht den neuen europäischen Konservatismus mit dem römischen Gott Janus, dem Wächter des Geschehenen und des Kommenden. Sein eines Gesicht blickt zurück in die "einstige Hochblüte des bürgerlichen Zeitalters", um sich dort seinen Wertekanon zu sichern, und sein anderes Gesicht blickt voller Zuversicht in die "ökonomisch angetriebene Zukunft".

Zusammengefasst kann ich also sagen, dass ich konservativ bin, weil ich aus der Gnade Gottes und unserer Geschichte die Kraft ziehe, optimistisch in die Zukunft zu blicken und weil ich diese strahlende Zukunft mit meiner Frau (jetzt noch Verlobten) und meinen zukünftigen Kindern einmal teilen will.

... und das macht mich zum Rechten.

2 comments:

Bernd said...

Ihr habt in der WELT das Koch- Interview kommentiert. Wir haben dieses Interview satzweise interpretiert: http://www.deutschland-debatte.de/2007/06/12/ueber-die-hinterfotzigkeit-von-roland-koch/

Hans Meiser said...

Vielleicht sollten Sie sich mit dem Libertarismus beschäftigen. Möglicherweise könnten Sie dann zu dem Schluss kommen, Sie seien ein Vertreter des konservativen Libertarismus (persönlich wertekonservativ, gesellschaftlich libertär, Ablehnung von Zwang gegenüber fremden Individuen, für eigene Ideen werben statt diese aufzuzwingen, freier Markt usw.). Der "Konservatismus" in der BRD hat ja leider eine sehr starke sozialistische/etatistische Tradition, die ja der linken nur in die Hände gespielt hat. Der staatliche Zugriff auf alle Lebensbereiche der Menschen wurde unter relativ konservativen Verhältnissen etabliert, von den Linken dann - nach erfolgreichem Marsch durch die Institutionen - bis zum Exzess audgeweitet und ideologisch schamlos ausgebeutet.